Wohnen mit Tradition und Zukunft

Seit fast 60 Jahren besteht die Wohnungsgenossenschaft „Stadt Calau“ eG

Wie alles begann

Man schrieb das Jahr 1957. Von den Kriegsgeschehnissen noch geprägt, beschäftigten sich die Menschen in Calau mit dem Wiederaufbau des zerstörten Stadtzentrums. Das Leben begann sich zu normalisieren, denn es sollte vorwärts gehen, jedoch herrschte große Wohnungsnot.

Im April 1957 fand die erste öffentliche Zusammenkunft aller Interessenten zur Gründung einer Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft statt, hier wurden die Bürger der Stadt mit den Möglichkeiten einer Wohnraumbereitstellung durch die künftige AWG bekannt gemacht. Es wurden Trägerbetriebe wie die Energieversorgung, der Baubetrieb, die Deutsche Reichsbahn u. a. gewonnen. Am 12. Juli 1957 fand die Gründungsversammlung der AWG im Rathaus der Stadt Calau statt. Ein Statut wurde beschlossen, ein ehrenamtlicher Vorstand und eine Revisionskommission wurden gewählt. Der erste Vorstandsvorsitzende war Willi Breuer, Vorsitzender der Revisionskommission wurde Helmut Pietsch. Nachdem das Statut und die Geschäftsordnung vom Vorstand beschlossen waren, bestätigte die Vollversammlung am 15. August 1957 die Beschlüsse.

Nach Einreichung der vollständigen Unterlagen beim Rat des Kreises erfolgte die Zulassung und Registrierung der AWG „Friede unserem Heim“ am 23. August 1957 unter der Register-Nr. 1/57.

Die Gründung war zwar vollzogen, jedoch dauerte es noch sehr lange, bis der erste Spatenstich gemacht werden konnte.

 

Der erste Wohnblock entsteht

Der erste Bauabschnitt der geplanten Mehrfamilien-Wohnhäuser sah einen Wohnblock in dreigeschossiger Bauweise mit insgesamt 18 Wohnungen in der heutigen Karl-Marx- /Otto-Nuschke-Straße vor. Nachdem im Sommer 1958 bei der AWG das Nutzungsrecht für dieses Grundstück vorlag, konnte mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen werden. Der größte Teil der Genossenschafter beteiligte sich mit Eigenleistungen am Bodenaushub und dem Entladen der Steine. Die Arbeit war schwer und für die meisten ungewohnt, aber es gab für alle ein lohnendes Ziel, das es wert war, durchzuhalten: Eine schöne Neubauwohnung.

Im September 1958 begann der Baubetrieb Calau mit dem Hochbau „Stein auf Stein“ und im Dezember wurde Richtfest gefeiert. Im Sommer 1959 war dieser erste Wohnblock bezugsfertig - ein bewegender Augenblick für die ersten Mieter.

 

Das weitere Baugeschehen

Im Jahre 1959 wurde mit dem Bau des zweiten Wohnblocks in der heutigen Karl-Marx-Straße begonnen. Dieser wurde als Viergeschosser mit 24 Wohnungen vom Calauer Baubetrieb in traditioneller Bauweise errichtet. Dahinter wurden der dritte Wohnblock in traditioneller und der vierte in Großblockbauweise errichtet. Wegen dem Bau der Berliner Mauer wurde dem Baubetrieb zwischenzeitlich ein Baustopp verordnet, denn schließlich hatten damals die Maßnahmen der Grenzsicherung Vorrang vor dem Wohnungsbau.

Ab Februar 1964 konnten dann die Wohnblöcke in der Otto-Nuschke-Straße und 1965 in der Straße der Jugend an die Mieter übergeben werden. Inzwischen mussten die Mitglieder vor dem Bezug der Wohnungen mindestens 80 Prozent Eigenleistungen bei der Gestaltung der Grünflächen nachweisen.

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Ein neuer Name

Zehn Jahre nach Gründung der Genossenschaft fand der inzwischen neu gewählte AWG- Vorstand den bisherigen Namen „Friede unserem Heim“ nicht mehr zeitgemäß. Der neue Vorstandsvorsitzende, Dieter Gräbitz, schlug 1967 die Bezeichnung Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) „Stadt Calau“ vor. Da die Büroarbeit immer umfangreicher wurde, richtete der Vorstand erstmals ein Büro in einer Einraumwohnung in der Otto-Nuschke-Straße 15 ein.

Während in den ersten Jahren des Bestehens der Genossenschaft noch die Mitglieder über das Baugeschehen mitbestimmen konnten, war in den 70er und 80er Jahren immer stärker die staatliche Willkür zu spüren. Was, wo und wieviel gebaut wurde, bestimmten nur noch die Staatsorgane. Die Genossenschaft wurde nicht in diese Planung einbezogen. Nach Fertigstellung der Häuser erhielt die AWG dann formell die Rechtsträgerschaft zugesprochen und damit gleichzeitig die Kredite angelastet.

 

Komplexer Wohnungsbau

Ab 1977 entstanden in der Calauer Innenstadt neue Wohnblöcke des Typs LPC 3,5 Mp (Leichte Platte Cottbus). 1979/80 konnte die AWG 162 Wohnungseinheiten (WE) im Baugebiet „Sonnenseite“ im Schreiberring, Am Gericht und in der Kirchstraße an die Mieter übergeben. Da diese Wohnungen mit Nachspeicheröfen, Wohnküchen und Loggien ausgestattet wurden, waren sie besonders gefragt und sind es auch noch heute.

Im Mai 1985 wurden der Genossenschaft zwei fünfgeschossige Wohnblöcke in der Poststraße mit insgesamt 80 Wohnungen und ein Wohnblock mit 24 WE in der Ringstraße übergeben.

 

Aufbau einer Wohnungsverwaltung

Nach Fertigstellung des Baugebietes „Sonnenseite“ wurde das AWG-Büro in eine Einraumwohnung im Schreibering 8 verlegt. Wegen des inzwischen sehr hohen Arbeitsaufwandes mit über 500 Wohnungen musste anstelle der bisher ehrenamtlichen nun eine hauptamtliche Verwaltung eingerichtet werden.

Im Mai 1985 übernahm Karin Tscherning hauptamtlich die Geschäftsführung der Arbeiterwohnungsgenossenschaft (AWG) „Stadt Calau“. Seit September 1986 arbeitete Gerd Tscherning hauptamtlich in der Verwaltung der Genossenschaft. Wegen des größeren Wohnungsbestandes und des damit verbundenen höheren Verwaltungsaufwandes wurde das bisherige Büro zu klein. Im Jahre 1988 kaufte die Genossenschaft das Grundstück und Gebäude Am Schlagbaum / Ecke Färberstraße. Mit Eigenleistungen der Mitglieder wurde das künftige Geschäftsgebäude so umgestaltet, dass die Verwaltung schließlich im Sommer 1989 einziehen konnte. Nun verstärkte Gerlind Suchner als Sekretärin und Sachbearbeiterin das Team, außerdem arbeiteten kurzzeitig zwei Reparaturhandwerker für die Genossenschaft.

Ab 1986 begann die Bebauung des neuen Wohngebietes am Funkturm. Von März bis Mai 1987 wurden drei Wohnblöcke des Typs LPC an die Mieter der „Straße der DSF“, die jetzt „Am Spring“ heißt, übergeben. 1988 wurde der Wohnblock in der Färberstraße 8-10 mit 24 Wohnungen fertiggestellt. Die Genossenschaft verfügte nun über einen Wohnungsbestand von 656 Wohnungen. Damit hatte sie einen bedeutenden Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Wohnraum geleistet.

Mit der zunehmenden Industrialisierung des Bauens wurde der Eigenanteil der Mitglieder immer unpersönlicher. Es gab meist nur noch die Möglichkeit, die Eigenleistungen finanziell zu erbringen. Die achtziger Jahre waren auch geprägt vom ständigen Kampf um die Werterhaltung der Wohnungen. Inhalt vieler Vorstandssitzungen waren Dinge, die zu einer normalen Geschäftstätigkeit gehören sollten, in der damaligen Zeit aber zu Prioritäten wurden, wie z.B. die gerechte Verteilung von Badewannen, Gasherden usw. Schwierig war es auch, Handwerkerfirmen für Reparaturaufträge zu binden.

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Neue Herausforderungen nach der Wende

Auf der Mitgliederversammlung am 6. Dezember 1990 im Calauer „Haus der Gewerkschaften“ stimmten die Mitglieder der neuen Satzung, die in Anlehnung an die Mustersatzung für Wohnungsgenossenschaften entworfen wurde, zu. Gleichzeitig wurde die Genossenschaft umbenannt in Wohnungsgenossenschaft „Stadt Calau“ e.G. und ein neuer Aufsichtsrat, bestehend aus fünf Mitgliedern, wurde in geheimer Abstimmung gewählt. Anita Vogt wurde Vorsitzende des Aufsichtsrates. Mit der Eintragung beim Amtsgericht Cottbus am 16.03.1992 unter der Register-Nr. GnR 0098 und der Hinterlegung der Mitgliederliste war die volle Rechtsfähigkeit unserer Genossenschaft gegeben. Zum 1. Januar 1991 wurde ein Vorstand, der die Geschäfte der Genossenschaft führt, durch den Aufsichtsrat bestellt. Zu den Mitgliedern des Vorstandes gehörten Karin Tscherning (kaufmännischer Vorstand), Gerd Tscherning (technischer Vorstand) und Margot Knöbig (ehrenamtlich). Als höchstes Gremium der Genossenschaft gilt die Mitgliederversammlung. Hier werden alle wesentlichen Entscheidungen für ihre weitere Entwicklung auf der Grundlage der Satzung getroffen. Die Genossenschaft trat am 23. Juni 1990 dem Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. bei.

An die Wiedervereinigung 1990 knüpften viele Mieter die Hoffnung auf bessere wohnliche Bedingungen. Im Zeitraum 1992/93 begann die Genossenschaft umfangreiche Modernisierungen an den Wohnblöcken in der Karl-Marx-Straße, Otto-Nuschke-Straße und Straße der Jugend mit Fördermitteln und Darlehen des Landes Brandenburg. 1994 ging es weiter, allerdings ohne Fördermittel. So musste die Genossenschaft einen erheblichen Teil an Eigenmitteln zusetzen. Weitere 15 Wohnblöcke wurden bis 1995 mit Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau modernisiert. Insgesamt wurden etwa 20 Mio. DM investiert.

Alle Wohnblöcke erhielten Wärmedämmungen an den Außenfassaden, neue isolierverglaste Fenster, neue Haustüren, Schließanlagen, Briefkästen und Wechselsprechanlagen, es wurden auch Balkonsanierungen mit teilweiser Isolierung vorgenommen. Sämtliche Dächer wurden saniert und teilweise mit Dämmung versehen, ebenso die Kellerdecken. Alle Wohnblöcke wurden mit modernen Heizungen ausgestattet. Das Ergebnis dieser Modernisierungsmaßnahmen war eine spürbare Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität.

 

Wohnungsleerstand

Die 90er Jahre waren in den neuen Bundesländern geprägt von massiven Abwanderungen der Bevölkerung, viele Menschen verloren ihre Arbeit und suchten sich woanders eine neue Existenz. Die Folge davon ist, dass Wohnungen leer stehen. Auch die Wohnungsgenossenschaft „Stadt Calau“ eG ist seit 1996 von Leerstand betroffen. Der Leerstand ist in den letzten Jahren weiter gestiegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt in der Region nach wie vor schwierig ist.

Die Genossenschaft will durch geeignete Maßnahmen neue Mitglieder werben und Wohnungen, die lange leer standen, wieder vermieten. Deshalb erfolgt eine Sanierung von leeren Wohnungen in Absprache mit den neuen Mietern, wobei die Vorschläge, Wünsche und Bedürfnisse der einziehenden Personen weitgehend berücksichtigt werden.

 

Übernahme des Gemeinnützigen Bauvereins

Im Jahre 1999 übernahm die Genossenschaft den Gemeinnützigen Bauverein Calau mit 28 Wohnungen in den drei Wohnhäusern Parkstraße 8-10 und Poststraße 49-50 und 51-52. Auch Gärten, Ställe und Garagen sowie Stellplätze gehören dazu. Dieter Neumann als Mitglied des ehemaligen Vorstandes des Bauvereins arbeitet heute im Aufsichtsrat der Genossenschaft mit. Die Mitglieder und Mieter dieses Wohnbereiches gelten auch heute noch als eine besonders intakte Gemeinschaft. Deshalb unterstützt die Genossenschaft ihre traditionellen Aktivitäten wie z. B. das jährliche Osterfeuer.

 

Genossenschaft – eine Wohnform mit Zukunft

Heute verwaltet und bewirtschaftet die Genossenschaft 684 Wohnungen in 26 Wohnhäusern.

Oft stellt sich die Frage nach dem Sinn der Mitgliedschaft in einer Genossenschaft.

Es gibt heute viele gute Gründe. Da wäre zunächst das Dauerwohnrecht, das jedes Mitglied in der Genossenschaft erhält. Sicheres und preiswertes Wohnen frei von Spekulationen ist heute nicht überall selbstverständlich. In der Genossenschaft, in der die Rechte und Pflichten der Mitglieder in der Satzung geregelt sind, hat jedes Mitglied auch ein Mitbestimmungsrecht. Nicht zuletzt ist die alljährlich im Juni stattfindende Mitgliederversammlung ein Forum der genossenschaftlichen Demokratie.

Im Juli 2017 wird die Calauer Wohnungsgenossenschaft 60 Jahre alt und kann auf ein erfolgreiches Bestehen zurückblicken. Sie hat sich insbesondere durch ihren zuverlässigen Service einen guten Namen gemacht. Jederzeit wird schnelle Hilfe gewährleistet, wenn es ein Problem gibt. Die hohe Zufriedenheit der Mitglieder und Mieter bestätigt dies.

Den heute verantwortlichen Vorstand bilden Karin Tscherning, Gerd Tscherning und Ingeborg Clemens. Im Aufsichtsrat wirken Anita Vogt, Bernd Cegla, Falko Bauer, Dieter Neumann und Rainer Ihlow mit. Vorstand und Aufsichtsrat sind stets bestrebt, den Mitgliedern der Wohnungsgenossenschaft und ihren Familienangehörigen ein gutes, sozial sicheres und preiswertes Wohnen zu garantieren.